Fortbildung mit Wilden Willi und Ruhigen Schneck

Wilder Willi und Ruhiger Schneck

Am Samstag, den 17.10.2009, haben der Wilde Willi und der Ruhige Schneck die Erzieherinnen in der Kita St. Martin besucht. Für diesen Besuch waren extra auch Erzieherinnen aus Ungedanken und Kassel in die Kita nach Fritzlar gekommen.

Das Thema Gewalt und Aggression unter Kindern ist in den letzten Jahren immer mehr ins Zentrum der Öffentlichkeit und der wissenschaftlichen Diskussion gerückt. Forschungsbefunden zufolge hat sich die Qualität und Schärfe der Gewalttätigkeit erhöht und die Kinder, die zu gewalttätigem Verhalten neigen, werden immer jünger.

Wer ist also der Wilde Willi und der Ruhige Schneck? Der Wilde Willi und der Ruhige Schneck sind Handpuppen in Form eines Hundes und einer Schnecke. Die beiden sind Teil des Präventionsprogramms Faustlos, welches vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit gefördert wird.

Fauslos liegt in zwei separaten Versionen vor: Ein Curriculum wurde speziell für den Kindergarten, ein anderes für die Grundschule entwickelt. Die Inhalte des Curriculums sind aus Forschungsbefunden und entwicklungspsychologischen Theorien zu den Defiziten aggressiver Kinder abgeleitet. Demnach fehlen aggressiven Kindern Kompetenzen in den Bereichen Empathiefähigkeit, Impulskontrolle und Umgang mit Ärger und Wut. Faustlos vermittelt deshalb alters- und entwicklungsadäquate prosoziale Kenntnisse und Fähigkeiten in eben diesen Bereichen. Das Kindergarten-Curriculum besteht aus 28 Lektionen.
Empathie ist eine maßgebliche Grundlage für den Erwerb prosozialer Fähigkeiten und ein wesentlicher Bestandteil aggressiven Verhaltens. Faustlos fördert die Empathiefähigkeit der Kinder, indem sie lernen, den emotionalen Zustand anderer Menschen zutreffend einzuschätzen, die Perspektive anderer Menschen zu übernehmen und emotional angemessen auf diese zu reagieren. Die Kontrolle impulsiven Verhaltens ist der zweite Baustein der Fauslos-Curricula. Häufig sind es gerade impulsive Handlungen von Kindern, die - oft gar nicht böse gemeint - Konflikte heraufbeschwören oder in aggressives Verhalten münden. Dieser Prozess kann auf Defizite in der sozialen Informationsverarbeitung und fehlende Verhaltenskompetenzen zurückgeführt werden. In der Einheit "Impulskontrolle" werden deshalb zwei erfolgreiche Strategien zur Reduktion impulsiven und aggressiven Verhaltens miteinander verbunden: Ein Problemlöseverfahren und die Übung einzelner sozial kompetenter Verhaltensweisen.

Faustlos baut auf detailiert ausgearbeiteten Materialien auf und kann direkt in die Strukturen vor Ort eingebunden werden. Die Faustlos-Materialien umfassen ein Handbuch, ein Anweisungsheft und Bildmaterialien. Im Faustlos-Set für Kindergärten sind zudem zwei Handpuppen "Wilder Willi" und "Ruhiger Schneck" enthalten, die in vielen Lektionen die Haupttransporteure der Inhalte sind. Häufig mögen Kinder zunächst den Wilden Willi lieber, weil er so freich ist und soviel Unsinn macht, wenden sich im Verlauf von Faustlos aber mehr und mehr dem sozial kompetenteren Ruhigen Schneck zu.
Die Materialien und Lektionsinhalte sind entwicklungspsychologisch fundiert und den jeweiligen altersspezifischen Ausgangsbedingungen der Kinder angepasst. Die einzelnen im Anweisungsheft enthaltenen Lektionen beinhalten jeweils eine spielerische Warming up Phase, eine Bildbesprechung, ein Modellrollenspiel der Erzieherin oder des Erziehers und im Anschluss daran Rollenspiele der Kinder zur Vertiefung und Übung des Gelernten. Das Handbuch enthält neben dem theoretischen Hintergrund viele hilfreiche Informationen zur Durchführung von Faustlos.

Um die hohe Qualität und Effektivität des Curriculums zu gewährleisten, durchlaufen die Erzieher/innen zu Beginn ein eintägiges Fortbildungsseminar durch das Heidelberger Präventionszentrum, in dem ein Überblick über das Curriculum gegeben wird, die Ziele des Programms erläutert werden und Vermittlungsstrategien anhand von Videobeispielen demonstriert werden. Zentraler Bestandteil der Fortbildung ist die praktische Übung einzelner Lektionen in Form von Rollenspielen und intensiver Kleingruppenarbeit, in denen ein besonderer Schwerpunkt auf die Anleitung zu und die Durchführung von Rollenspielen gelegt wird. Im Idealfall nimmt das gesamte Kollegium an der Fortbildung teil, um so den Transfer der neu erlernten Kompetenzen in den Lebensalltag der Kinder nachhaltig zu unterstützen. Des weiteren sollte gewährleistet sein, dass die durchführenden Personen über einen längeren Zeitaum mit einer Gruppe von Kindern arbeiten und über pädagogische Basiskompetenzen verfügen.

Dies haben sich die Erzieherinnen der Malteser Kita St. Martin aus Fritzlar und der Malteser Kita St. Johannes sowie die Kolleginnen der Kita St. Joseph in Kassel zu Herzen genommen und wollen dieses Programm in ihren Kindertagesstätten umsetzen. Durch diese Fortbildung haben sie jetzt die notwendigen Kenntnisse und das entsprechende Arbeitsmaterial zur Hand.